{"id":194,"date":"2022-08-01T20:02:00","date_gmt":"2022-08-01T20:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=194"},"modified":"2023-07-17T12:27:13","modified_gmt":"2023-07-17T12:27:13","slug":"1-august-brunch-viele-wollen-zmoergele-immer-weniger-machen-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=194","title":{"rendered":"1. August-Brunch: Viele wollen Zm\u00f6rgele &#8211; immer weniger machen mit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zum 30. Mal laden Bauernfamilien am 1. August zum traditionellen Brunch ein. Mit dabei sind auch 13 Bauernh\u00f6fe im Kanton Luzern. Trotz vielen begeisterten G\u00e4sten geht die Zahl der teilnehmenden Betriebe immer mehr zur\u00fcck. Im Rottal ist das Angebot ganz verschwunden. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stefan Schmid <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 1. August-Brunch auf dem Bauernhof ist bei vielen Familien eine Tradition, \u00fcber 100 000 Personen lassen sich jeweils am Nationalfeiertag mit einem reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fccksbuffet verw\u00f6hnen. Auf den H\u00f6fen warten selbstgemachte K\u00f6stlichkeiten wie Zopf, Brot, K\u00e4se, Most, R\u00f6schti mit Spiegelei oder frisch gebackener Fruchtw\u00e4he auf die grossen und kleinen Besucher. Zudem empf\u00e4ngt jede Gastgeberfamilie die Besucher auf individuelle Weise, mal findet der Brunch im Stall statt, mal auf dem Vorplatz. Einige organisieren \u00d6rgeli- Musik, andere eine Hofbesichtigung, Streichelzoo oder Spielecken f\u00fcr die Kleinen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Idee des Bauernverbands<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was 1993 als Idee begann, ist mittlerweile zu einem festen Programmpunkt geworden. Zum 30. Mal laden die Bauern in der ganzen Schweiz zum Brunch ein. Dahinter steht der Schweizer Bauernverband als Dachorganisation. Er k\u00fcmmert sich, unterst\u00fctzt durch die kantonalen Verb\u00e4nde, um die Kommunikation, Website, Sponsoring und die Koordination der Betriebe. J\u00e4hrlich erscheint zudem ein gedrucktes \u00abBrunchmagazin \u00bb mit einer Liste aller teilnehmenden Bauernh\u00f6fe. F\u00fcr die Organisation des Brunchs ist jeder Betrieb selber verantwortlich. Dazu geh\u00f6rt das Essen, die Helfer und die Infrastruktur sowie weitere Angebote vor Ort. Auch die Finanzierung ist den Bauern \u00fcberlassen. Sie bestimmen den Preis f\u00fcr den Brunch aufgrund ihrer Aufwendungen. Die Spannweite ist gross und liegt zwischen 25 und 45 Franken. Einzelne Betriebe haben in diesem Jahr den Preis um 3 bis 5 Franken erh\u00f6ht, wie Sarah Fellmann, Projektleiterin des Brunches beim Schweizerischen Bauernverband auf Anfrage sagt. \u00abSie machen dies aber sehr ungern\u00bb. Doch die gestiegenen Rohstoffpreise h\u00e4tten vereinzelt Anpassungen n\u00f6tig gemacht. Der Preis stimme aber immer noch f\u00fcr das was man bekomme, frisch und lokal produzierte Lebensmittel, ein grosses Buffet und Unterhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In diesem Jahr nur noch 270 Betriebe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Interesse am Brunch ist auch nach 30 Jahren nach wie vor gross, sagt Fellmann. Einzelne H\u00f6fe w\u00fcrden regelrecht \u00fcberrannt und m\u00fcssten auch G\u00e4sten absagen. Jedoch: trotz der vielen Nachfrage ist die Zahl der teilnehmenden Betriebe seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig. Waren in den Anf\u00e4ngen noch \u00fcber 500 Betriebe mit dabei, ist die Zahl stark geschrumpft, wie die Statistik des Bauernverbands zeigt. In den letzten Jahren haben jeweils noch rund 350 Betriebe schweizweit einen Brunch organisiert, nur 15 bis 20 davon im Kanton Luzern. Und in diesem Jahr sind \u2013 trotz Jubil\u00e4um \u2013 noch weniger Bauernh\u00f6fe am Start. Nur 270 Betriebe wollen den Brunch anbieten. Wo liegen die Gr\u00fcnde f\u00fcr den R\u00fcckgang? Sarah Fellmann vom Bauernverband spekuliert: \u00abNach Corona wollen wohl einige Betriebe die Arbeit nicht auf sich nehmen und den 1. August selber geniessen \u00bb. Das Angebot m\u00fcsse sich bei den Bauern erst wieder etwas etablieren, da man in den letzten zwei Jahren kaum Veranstaltungen organisiert habe. Auch die Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den langfristigen R\u00fcckgang sind vielschichtig. Fellmann nennt den Generationenwechsel auf den H\u00f6fen. \u00abVielleicht wollen j\u00fcngere Generationen den Aufwand nicht auf sich nehmen, da sie sonst schon viel um die Ohren haben\u00bb. Der Verband will n\u00e4chstes Jahr wieder mehr Betriebe zum Mitmachen motivieren, wie Fellmann sagt, denn \u00abder Brunch ist eine gute Gelegenheit, den Berufsstand der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen und Goodwill zu schaffen.\u00bb Und an G\u00e4sten w\u00fcrde es den mitmachenden Betrieben nicht fehlen. Angesprochen auf Konkurrenz von anderen Brunch-Angeboten meint sie: \u00abDas echte 1. August-Brunch-Feeling gibt\u2019s nur auf dem Bauernhof.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kein Brunch-Angebot im Rottal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Kanton Luzern bieten 13 Bauernh\u00f6fe ein Brunchbuffet an (siehe Box). Nicht vertreten sind Betriebe im Rottal. Einige haben in fr\u00fcheren Jahren mitgemacht, so auch Hanspeter Bucheli auf dem Hof Pfaffischwand. Zweimal war er mit seiner Familie Gastgeber, letztmals 2018. Der Brunch wurde nur im kleinen Format organisiert f\u00fcr rund 30 G\u00e4ste. \u00abAufwand und Ertrag stimmten nicht wirklich \u00fcberein \u00bb sagt Bucheli auf Anfrage. F\u00fcr das kulinarische Angebot brauche es einen ziemlichen Aufwand und etwas Halbpatziges wolle er nicht anbieten. Zudem sei auf dem Hof keine eigentliche Lokalit\u00e4t vorhanden, um die G\u00e4ste unterzubringen, vor allem bei Schlechtwetter. Gr\u00fcnde f\u00fcr den R\u00fcckgang bei den Anbietern vermutet er auch in der momentanen Stimmung: \u00abDie verschiedenen Initiativen wie Trinkwasser oder die nun anstehende Massentierhaltungsinitiative zeigen eine eher kritische Stimmung der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Bauern. Vielleicht ist der eine oder andere Landwirt darum auch weniger motiviert, als Gastgeber aufzutreten\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Helfer-Entl\u00f6hnung ist nicht m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch Toni Seeholzer hat auf seinem Hof Oberamsig in Sigigen 2015 mitgemacht beim Brunch. Dies jedoch nur einmal. Seeholzer f\u00fchrt auf seinem Betrieb auch unter dem Jahr eine Vielzahl von Anl\u00e4ssen durch wie Firmenanl\u00e4sse oder Hochzeitsessen. Darum habe man auch beschlossen, es bei der einmaligen Teilnahme zu belassen. \u00abWir wollten im Sommer auch mal ein wenig d\u00f6reschnufe\u00bb, sagt er. Den Brunch mit 250 G\u00e4sten stemmte er damals mithilfe seiner Familie und Blauring- Kolleginnen seiner T\u00f6chter: \u00abWenn man die Helfer entl\u00f6hnen m\u00fcsste, w\u00e4re es nicht kostendeckend. Es gab daf\u00fcr f\u00fcr alle ein Abschlussfest.\u00bb Andernorts ist ein 1. August ohne Brunch kaum mehr vorstellbar. So auch bei der Familie Schnider auf dem Birkenhof in S\u00f6renberg. Sie feiert ihr 30-j\u00e4hriges Brunch-Jubil\u00e4um. Und ist damit eine von landesweit sechs Bauernfamilien, die seit der ersten Durchf\u00fchrung des Events mit dabei sind. Wer sich bei ihnen oder einem anderen Betrieb noch anmelden will, muss sich sputen, die Pl\u00e4tze sind begehrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 30. Mal laden Bauernfamilien am 1. August zum traditionellen Brunch ein. Mit dabei sind auch 13 Bauernh\u00f6fe im Kanton Luzern. Trotz vielen begeisterten G\u00e4sten geht die Zahl der teilnehmenden Betriebe immer mehr zur\u00fcck. 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