{"id":197,"date":"2022-04-14T20:11:00","date_gmt":"2022-04-14T20:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=197"},"modified":"2023-07-17T12:27:42","modified_gmt":"2023-07-17T12:27:42","slug":"vor-70-jahren-mit-dem-fc-lugano-im-cupfinal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=197","title":{"rendered":"Vor 70 Jahren mit dem FC Lugano im Cupfinal"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn sich am 21. April der FC Lugano und der FC Luzern im Cup-Halbfinal gegen\u00fcberstehen, verfolgt Franco Tamburini&nbsp;&nbsp;diesen Match mit besonderem Interesse.&nbsp;&nbsp;Vor 70 Jahren stand er als Verteidiger selber auf dem Platz und schaffte es mit dem FC Lugano bis in den Cupfinal.<\/p>\n\n\n\n<h4>Viele Erinnerungen an Cupfinal<\/h4>\n\n\n\n<p>An den Final 1952 erinnert sich der 96-J\u00e4hrige immer noch lebhaft: \u00abEs war eine grosse Aufregung. Vor dem Spiel kam ein Bundesrat \u2013 an den Namen erinnere ich mich leider nicht mehr \u2013 und gab uns allen die Hand. 32000 Zuschauer im Wankdorf-Stadion sorgten f\u00fcr eine tolle Stimmung.\u00bb Auch das Spiel hat Franco Tamburini noch gut pr\u00e4sent: \u00abNach 5 Minuten gab es im Strafraum ein klares Foul gegen uns. Schiedsrichter Rapin &#8211; es war sein allerletztes Spiel, &#8211; pfiff aber nicht.\u00bb Er ist \u00fcberzeugt,&nbsp;&nbsp;\u00abwenn wir da per Penalty das 1:0 erzielt h\u00e4tten, gewinnen wir diesen Match!\u00bb Kurz darauf fiel dann \u00abein bl\u00f6des Tor\u00bb, Eduard Berbig erzielte per Kopf die F\u00fchrung f\u00fcr GC. Und das 0:2 in der 41. Minute fiel nach einer abgewehrten Flanke von ihm: \u00abIch wurde \u00fcberspielt und unser Libero stand zu hoch. So war ich mitverantwortlich f\u00fcr das Gegentor. Das fuxte mich noch lange.\u00bb Die letzten 20 Minuten habe Lugano nochmals alles nach vorne geworfen und GC nur noch verteidigt. \u00abGoalie Thomas Preiss hat aber alle Sch\u00fcsse abgewehrt.\u00bb So musste Franco Tamburini mit dem FC Lugano als Verlierer vom Platz. Die Entt\u00e4uschung war gross: \u00abDem verlorenen Final habe ich noch Jahre nachgetrauert.\u00bb Stolz auf die Leistung war er dennoch, und auch der Gegner habe ihren Kampfgeist bewundert: \u00abAldo Zappia von GC kam nach dem Spiel mit einem Ball zu uns und wollte von allen FC Lugano-Spielern eine Unterschrift darauf.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"760\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_2-1-1024x760.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-203\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_2-1-1024x760.jpg 1024w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_2-1-300x223.jpg 300w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_2-1-768x570.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_2-1-1536x1140.jpg 1536w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_2-1.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der FC Lugano vor dem Cupfinal 1952 mit Franco Tamburini (5. von links). Foto zVg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"763\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1-763x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-204\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1-763x1024.jpg 763w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1-223x300.jpg 223w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1-768x1031.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1-1144x1536.jpg 1144w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1-1526x2048.jpg 1526w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/text_tamburini_3-1.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 763px) 100vw, 763px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Cupfinal 1952: Franco Tamburini (links) im Zweikampf gegen Gaston Vonlanthen. Foto zVg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4>Nach der Arbeit ans Spiel<\/h4>\n\n\n\n<p>Wer heute von einem Fussballer in der h\u00f6chsten Spielklasse h\u00f6rt, denkt an einen Profi-Spieler. Damals war man vom Fussball als Hauptverdienst noch weit weg. Auch wer wie Franco Tamburini in der Nationalliga A spielte, ging daneben Vollzeit einem Beruf nach. \u00abBeim FC Lugano hatten wir zweimal pro Woche Training, jeweils um 18 Uhr nach dem Arbeiten. Am Dienstag war meist Kondition, am Freitag Taktik-Training. Und am Wochenende ging es dann an ein Meisterschaftsspiel.\u00bb. Viele Spieler arbeiteten am Samstag bis am Mittag. F\u00fcr die Ausw\u00e4rtsspiele traf man sich um 14 Uhr und reiste am Samstag an, wenn das Spiel am Sonntag stattfand: \u00abWir fuhren immer mit dem Zug, es gab keinen Mannschaftsbus. Von Lugano bis nach Basel dauerte die Fahrt 4 bis 5 Stunden. Vom Sitzen auf den harten Holzb\u00e4nken tat mir bei der Ankunft schon alles weh.\u00bb Eine Reise hat er noch in besonderer Erinnerung: \u00abEinmal mussten wir an ein Spiel in La-Chaux-de-Fonds, da stand im Bahnhof der legend\u00e4re Zug \u00abRote Pfeil\u00bb bereit und fuhr mit uns ohne Umsteigen bis La-Chaux-de-Fonds. F\u00fcr uns Spieler war das ein grosses Highlight!\u00bb In der auf 1000 Meter gelegenen Uhrenstadt lag zu diesem Zeitpunkt rund 20 Zentimeter Schnee. Den Platz habe man nicht vom Schnee ger\u00e4umt, erz\u00e4hlt Franco Tamburini, sondern einfach mit einer Walze flachgepresst. \u00abNach einer Viertelstunde war die Schneeplatte voller L\u00f6cher. F\u00fcr den Rest des Spiels konnte man nur noch hohe B\u00e4lle spielen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch an ein Spiel gegen den FC Basel erinnert er sich besonders. Zu dieser Zeit weilte er im Milit\u00e4r-WK im M\u00fcnstertal in Santa Maria. In der Nacht auf Samstag stand ein langer Nachtmarsch an, erst um 2 Uhr konnte er ins Bett. \u00dcbernachtet wurde im Stroh im lokalen Schulhaus. Dank einer Sonderbewilligung durfte er am Samstag fr\u00fcher abtreten und gelangte via Bellinzona mit dem Zug nach Basel. \u00abVor dem Spiel musste ich zuerst lange in die Massage, um meinen Muskelkater loszuwerden.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h4>50 Franken f\u00fcr einen Sieg<\/h4>\n\n\n\n<p>1926 in Lugano geboren, wurde ihm der Fussball nicht in die Wiege gelegt. \u00abEigentlich bin ich eher auf der Bocciabahn aufgewachsen. Darum spiele ich heute noch gerne.\u00bb Als Jugendliche h\u00e4tten sie sich aber auf einem Platz in der Wohnsiedlung getroffen und B\u00e4lle gekickt. So entwickelte sich seine Freude am Ballspiel. Sp\u00e4ter fuhr er jeweils mit dem Velo den weiten Weg nach Melide, um dort bei den Junioren mitzuspielen. Es folgten Eins\u00e4tze bei Noranco und der&nbsp;&nbsp;U21 von Lugano. Und in der Cupfinal-Saison 1952 dann das Deb\u00fct in der ersten Mannschaft des FC Lugano. Das erste Spiel war gleich ein Derby gegen Locarno. Franco Tamburini verhinderte zwei Tore per \u00abBicicleta\u00bb (Fallr\u00fcckzieher) und wurde in Lugano gefeiert. Er erinnert sich: \u00abDas Stadion war damals noch unten am See. Es hatte jeweils 5000 bis 6000 Zuschauer.\u00bb Nebst Lugano spielten damals auch Bellinzona, Locarno und Chiasso in der h\u00f6chsten Liga, so gab es jede Saison mehrere Derbys. Bei so viel Erfolg auf seinen Verdienst angesprochen, schmunzelt der r\u00fcstige Senior: \u00abF\u00fcr jedes besuchte Training gab es zwei Franken. Und bei den Meisterschaftsspielen f\u00fcr ein Unentschieden 25 Franken und einen Sieg 50 Franken.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h4>70 Jahre verheiratet<\/h4>\n\n\n\n<p>Seinen Lebensunterhalt verdiente Franco Tamburini als gelernter Glaser und Einrahmer. Er war in Lugano f\u00fcr verschiedene Arbeitgeber t\u00e4tig, arbeitete aber immer mal wieder auch in Luzern beim Glaser Weibel. Seine aus Emmenbr\u00fccke stammende Frau Hulda lernte er 1946 im Tessin kennen, als diese dort in einem Kolonialwarengesch\u00e4ft arbeitete. Sp\u00e4ter half sie dann im Molkerei-Laden ihrer Mutter in Emmenbr\u00fccke mit. \u00abAls Huldas Mutter schwer erkrankte, \u00fcberzeugte sie mich Anfang 1952, doch zu ihr in die Zentralschweiz zu ziehen. Aus Liebe zu ihr sagte ich zu. So zog ich einen Monat vor dem Cupfinal nach Emmenbr\u00fccke. Ich wohnte also gar nicht mehr im Tessin, als ich f\u00fcr den FC Lugano im Final auflief\u00bb. Seine Karriere beim FC Lugano beendete er nach seinem Wegzug und spielte fortan nicht mehr auf h\u00f6chster Stufe Fussball. \u00abMit Beruf und Hausrenovation war ich genug ausgelastet\u00bb.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Frau und er waren 74 Jahre lang ein Paar, davon 70 Jahre verheiratet. Im Oktober 2020 starb Hulda im Alter von 91 Jahren. Seither wohnt Franco allein im unteren Stock seines 1993 selbst geplanten Hauses in Hellb\u00fchl. Im oberen Stock wohnt sein Sohn mit seiner Frau. Im Quartier kennt und sch\u00e4tzt man Franco Tamburini, der immer f\u00fcr einen Schwatz zu haben ist. Der begeisterte Pilz-Sammler und Maler ist interessiert und diskutiert gerne. Auch sportliche Bet\u00e4tigung ist ihm wichtig: nebst Velofahren ist er immer mal wieder auf einer Bocciabahn anzutreffen, aktiv oder als Zuschauer.<\/p>\n\n\n\n<h4>Herz schl\u00e4gt f\u00fcr den FC Kickers<\/h4>\n\n\n\n<p>Und Interesse f\u00fcr Fussball? Noch immer verfolgt er im Fernsehen die Spiele des FC Lugano, noch mehr aber schl\u00e4gt sein Herz f\u00fcr den FC Kickers Luzern. Nach seiner FC Lugano-Zeit spielte er mehrere Jahre beim legend\u00e4ren Verein im Tribschen-Quartier. Cup-Erinnerungen hat Franco Tamburini auch da: \u00abDie Kickers waren eine Cup-Mannschaft. 1958 spielte ich im Cup gegen meinen vorherigen Verein Lugano. Wir verloren aber klar. Und einmal konnten wir im Cup mit dem FC Kickers gegen Z\u00fcrich spielen. Der Match fand auf der Allmend statt, direkt vor der Meisterschaftspartie FC Luzern gegen Grenchen. Deshalb hatten wir fast 6000 Zuschauer.\u00bb Trotz einem Kopftor von Tamburini ging das Spiel 1:3 verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Zuschauer im Kickers-Stadion trifft man ihn nur noch selten an. Das Anspiel um 17 Uhr sei zu sp\u00e4t f\u00fcr ihn, meint er gelassen, dann wenn man nach dem Spiel noch ein wenig plaudern wolle, werde es 22 Uhr, bis er zu Hause sei. Wenn er doch mal an ein Spiel geht, f\u00e4hrt der 96-j\u00e4hrige noch selber mit dem Auto nach Luzern. Und jubelt dort in alten Erinnerungen schwelgend den jungen Fussballern zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich am 21. 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