{"id":252,"date":"2022-09-01T17:31:00","date_gmt":"2022-09-01T17:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=252"},"modified":"2023-07-17T12:27:08","modified_gmt":"2023-07-17T12:27:08","slug":"so-geht-es-der-kirche-nach-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=252","title":{"rendered":"So geht es der Kirche nach Corona"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Maske, abgesperrte Bankreihen und Eingangskontrolle &#8211; Corona hat den Kirchenbesuch stark beeinflusst. Die Pfarreien reagierten kreativ auf die Einschr\u00e4nkungen, mit Online-Gottesdienst oder Freiluft-Anl\u00e4ssen. Nach der Pandemie zeigt sich: viele Ver\u00e4nderungen werden die Kirche nachhaltig pr\u00e4gen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was im M\u00e4rz 2020 passierte, war auch f\u00fcr die Kirche unvorstellbar: S\u00e4mtliche Gottesdienste mussten w\u00e4hrend mehr als zwei Monaten abgesagt werden. Doch das war erst der Anfang: nach dem \u00abGottesdienst-Lockdown\u00bb kam es im Sommer 2020 zwar zu Lockerungen, bevor im Herbst die Zahl der Kirchg\u00e4nger auf 50 begrenzt wurde. Weitere Einschr\u00e4nkungen folgten: Bankreihen absperren, Masken tragen im Gottesdienst, Singverbot, T\u00fcrkollekte statt zirkulierender Opferkorb, freundliches Zunicken statt Friedensgruss \u2013 damit sollte der Verbreitung des Virus Einhalt geboten werden. Und ab September 2021 stellten schliesslich die Zertifikatskontrollen die Kirchen vor grosse Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile sind die Corona-Massnahmen fast Geschichte, auch in den Kirchen sind seit M\u00e4rz praktisch alle Schutzmassnahmen aufgehoben. Ist somit wieder alles wie gewohnt beim Gottesdienstbesuch? Unsere Zeitung hat nach Spuren gesucht, die Corona in der Kirche hinterlassen hat. Und f\u00fcr eine Bestandesaufnahme nachgefragt bei Gregor Illi, Pfarrer Hellb\u00fchl\/Neuenkirch, bei Adrian Wicki, Leiter Pastoralraum Region Werthenstein und bei Kurt Zemp, Leiter Pastoralraum im Rottal.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weniger Besucher als vorher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abFast wieder Normalbetrieb\u00bb, sagt Kurt Zemp auf die Frage nach der Anzahl Gottesdienstteilnehmenden. Wenn er in die Bankreihen der Kirchen in Buttisholz, Grosswangen oder Ettiswil blicke, seien diese wieder \u00e4hnlich gef\u00fcllt wie vor Corona. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"686\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-1024x686.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-253\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-300x201.jpg 300w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-768x514.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-1536x1029.jpg 1536w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-2048x1371.jpg 2048w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_1-2000x1339.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Maskentragen und nur wenige zugelassene G\u00e4ste an der Firmfeier in Hellb\u00fchl<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Anders sieht dies Adrian Wicki, zu dessen Pastoralraum die Kirchen Ruswil, Wolhusen und Werthenstein geh\u00f6ren. Er z\u00e4hlt weniger Besucher als vor der Pandemie: \u00abDiese Tendenz ist aber nicht neu, sondern war schon vor Corona da.\u00bb Die Krise habe diesen Trend nun einfach noch verst\u00e4rkt oder beschleunigt, stellt Adrian Wicki fest: \u00abDie Kirche ist, was die Anzahl Gl\u00e4ubigen im Gottesdienst betrifft, in der Krise zehn Jahre \u00e4lter geworden.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"731\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5-731x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-256 size-full\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5-731x1024.jpg 731w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5-214x300.jpg 214w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5-768x1076.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5-1097x1536.jpg 1097w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5-1462x2048.jpg 1462w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_5.jpg 1655w\" sizes=\"(max-width: 731px) 100vw, 731px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>&#8222;Die Kirche ist durch die Pandemie zehn Jahre \u00e4lter geworden.&#8220;<\/p>\n<cite>Adrian Wicki, Leiter Pastoralraum Werthenstein<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Vor allem an Festtagen sei die Zahl der Kircheng\u00e4nger aber nach wie vor hoch, wie Ostern oder Palmsonntag gezeigt h\u00e4tten. Auch Gregor Illi, Pfarrer f\u00fcr die Pfarreien Hellb\u00fchl und Neuenkirch, sieht weniger besetzte Pl\u00e4tze im Gottesdienst: \u00abDie Einschr\u00e4nkungen wirken wohl immer noch nach.\u00bb So h\u00e4tten bei der beschr\u00e4nkten Besucherzahl einige auf den Gottesdienstbesuch verzichtet, und w\u00fcrden dies wohl weiterhin tun. Und er stellt eine \u00abTeilung der Generationen\u00bb fest, so k\u00e4men weniger Familien regelm\u00e4ssig in die Kirche als vor der Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns:auto 15%\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>&#8222;Die Einschr\u00e4nkungen wirken immer noch nach. Es kommen nun weniger Familien in die Kirche als vor Corona.&#8220;<\/p>\n<cite>Gregor Illi, Pfarrer in Hellb\u00fchl<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"731\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_4-731x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-257 size-full\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_4-731x1024.jpg 731w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_4-214x300.jpg 214w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_4-768x1075.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_4.jpg 850w\" sizes=\"(max-width: 731px) 100vw, 731px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Bed\u00fcrfnis nach Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Adrian Wicki erw\u00e4hnt daf\u00fcr andere gemeinschaftliche Formen, die vermehrt nachgefragt werden wie der Mittagstisch oder die Seniorenferien, die innert kurzer Zeit ausgebucht waren. Er glaubt, das Bed\u00fcrfnis nach Gemeinschaft und Zusammensein habe durch die Krise eher zugenommen. Das stellt auch Gregor Illi fest: kirchliche Gruppierungen wie das Seniorenteam oder die Frauen- und M\u00fctterorganisationen h\u00e4tten an Bedeutung gewonnen und mit grossem Einsatz Beziehungsarbeit geleistet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Online-Gottesdienst wird<\/strong> <strong>weitergef\u00fchrt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie die ganze Gesellschaft war auch die Kirche gefordert, den Einschr\u00e4nkungen mit kreativen, neuen Ideen zu begegnen. Mit einer technischen Innovation war Ruswil sehr schnell. Kaum war der Gottesdienst-Lockdown da, war es bereits m\u00f6glich, die Feiern per Internet zu empfangen. Adrian Wicki erkl\u00e4rt, Ruswil habe schon vorher die Gottesdienste ins Altersheim \u00fcbertragen. Kurz vor Corona habe man die Technologie von Funk auf Internet umgestellt und eine neue Kamera angeschafft. \u00abDurch diesen gl\u00fccklichen Zufall mussten wir dann das Live-Streaming nur noch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit freigeben.\u00bb Die \u00dcbertragung des Gottesdienstes wurde sehr gesch\u00e4tzt, wie die vielen positiven R\u00fcckmeldungen zeigten. Dadurch h\u00e4tten sich auch Leute zugeschaltet, die sonst nicht oder nur selten Gottesdienste besuchen. Und die Statistik zeige, dass rund ein Drittel der Online-Zuschauer von ausserhalb des Rottals kamen. Adrian Wicki vermutet \u00abHeimweh-Ruswiler\u00bb oder Personen mit speziellem Bezug zu einem Gottesdienst. Das Angebot wurde vor allem an Beerdigungen gesch\u00e4tzt, wenn Verwandte aus dem Ausland wegen den Einschr\u00e4nkungen nicht einreisen konnten. Vereinzelt habe man den Angeh\u00f6rigen auch eine Aufzeichnung der Beerdigung abgegeben. Auch in Buttisholz und Ettiswil sind seit Corona Gottesdienste via Bildschirm empfangbar. \u00abIch war eigentlich kein Fan von virtuellen Messen und glaube immer noch, dass das unmittelbare Erlebnis gr\u00f6sser ist als zu Hause am Computer\u00bb, so Kurt Zemp. \u00abDoch mittlerweile sehe ich es als sinnvolle Erg\u00e4nzung. Einige \u00e4ltere Personen haben sich daran gew\u00f6hnt und m\u00f6chten es nicht mehr missen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-254\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-300x225.jpg 300w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-768x576.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_3-2000x1500.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Online-Gottesdienst in Ruswil.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Internet-Gottesdienste werden nach Corona weitergef\u00fchrt. In Ruswil z\u00e4hlt man aktuell in den Gottesdiensten rund 50 bis 80 Zuschaltungen. Und oft sitzt wohl mehr als eine Person vor dem Bildschirm. Auch wenn Adrian Wicki betont, dass die virtuelle Messe den Kirchenbesuch nicht ersetzen k\u00f6nne, sieht auch er einen Gewinn: \u00abWir k\u00f6nnen die Gemeinschaft dadurch \u00fcber geografische Grenzen hinweg erweitern. Und es k\u00f6nnen auch Personen teilnehmen, die in der Mobilit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt oder krank sind.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>In Hellb\u00fchl hat man auf das \u00dcbertragen von Gottesdiensten verzichtet, weil laut Pfarrer Gregor Illi die 50 erlaubten Pl\u00e4tze meist ausgereicht h\u00e4tten. Und in Neuenkirch wird der Gottesdienst seit l\u00e4ngerem schon per Ton in die Vater Wolf-Kapelle \u00fcbertragen, was zus\u00e4tzliche Pl\u00e4tze schafft. Bleiben aus der Zeit der Einschr\u00e4nkungen werden daf\u00fcr die Weihwasserspender in verschiedenen Kirchen, so auch in Hellb\u00fchl. Daran h\u00e4tten sich die Besucherinnen und Besucher gew\u00f6hnt, sodass man diese vorderhand lasse, sagt Gregor Illi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Feiern kleiner und individueller<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur technische Neuerungen, auch andere Formen der Feiern waren gefragt, um die Massnahmen einzuhalten. In Hellb\u00fchl hat man an den kirchlichen Feiertagen Ostern und Weihnachten die Kirche weniger gef\u00fcllt. Dazu wurden die Familienfeiern aufgeteilt auf mehrere Gottesdienste. Die Erfahrungen damit sind laut Gregor Illi positiv, die kleinere, ruhigere Atmosph\u00e4re sei gesch\u00e4tzt worden. Man k\u00f6nne sich vorstellen, die grossen Feiern auch zuk\u00fcnftig so zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleiner und individueller \u2013 diesen Trend best\u00e4tigt auch Pastoralraumleiter Adrian Wicki. Er erinnert sich an die Tauf-Erinnerungsfeier, die man nicht mehr im Gottesdienst, sondern separat am Samstagmorgen mit den&nbsp; Familien gefeiert habe, mit anschliessendem Zusammensein im Pfarrhausgarten. \u00abDiese Form wurde von allen sehr gesch\u00e4tzt und werden wir auch zuk\u00fcnftig beibehalten\u00bb, sagt Adrian Wicki. Ebenso die aufgeteilte Erstkommunionfeier. 2021 musste die Feier mit den 69 Kindern auf f\u00fcnf Feiern aufgeteilt werden. Auch ohne beh\u00f6rdliche Vorgaben habe man dieses Jahr entschieden, die Erstkommunionfeier mit 44 Kindern auf zwei Gottesdienste aufzuteilen. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"682\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-258 size-full\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_6.jpg 682w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/kirche_6-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>&#8222;Wir haben neue Formate entwickelt wie eine Endloseandacht an Weihnachten. Auf so eine Idee w\u00e4ren wir vorher nie gekommen.&#8220;<\/p>\n<cite>Kurt Zemp, Leiter Pastoralraum Rottal<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Ein spezielles Format, die \u00abEndlosandacht\u00bb, entwickelte man im Pastoralraum Rottal f\u00fcr Heiligabend 2020: w\u00e4hrend drei Stunden wurde die gleiche, 15-min\u00fctige Feier abgehalten. Familien kamen und gingen je nach Bed\u00fcrfnis. Kurt Zemp sagt erstaunt: \u00abAuf so eine Idee w\u00e4ren wir vorher nie gekommen. Doch die Resonanz war gut.\u00bb Unkonventionell waren zudem neue Lokalit\u00e4ten: mit \u00abTreffpunkt Stall\u00bb fanden im letzten Advent Feiern ausserhalb des Kirchenschiffs statt, mit viel positivem Echo. Die Feier an Allerheiligen verlegte man nach draussen auf den Friedhof. Das kam so gut an, dass Kurt Zemp \u00fcber eine Fortsetzung nachdenkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Intimere Beisetzungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachhaltig k\u00f6nnten sich auch Abschiedsfeiern ver\u00e4ndern. So stellt Adrian Wicki fest, dass kleinere, famili\u00e4re Beisetzungen beliebter geworden sind als \u00f6ffentliche mit sehr vielen G\u00e4sten. Und er glaubt, dass dies auch zuk\u00fcnftig von Angeh\u00f6rigen vermehrt gew\u00fcnscht wird. \u00abFr\u00fcher getraute man sich das vielleicht nicht zu w\u00fcnschen, mittlerweile ist es wegen Corona ein St\u00fcck weit normal, im kleinen Kreis Abschied zu nehmen.\u00bb \u00c4hnliches best\u00e4tigt Kurt Zemp: \u00abEs gab bei uns im kleinen Familienkreis einige sehr emotionale und ergreifende Abschiedsfeiern. Durch die fehlende \u00d6ffentlichkeit konnten sich Angeh\u00f6rige eher den Gef\u00fchlen hingeben, es war intimer und ber\u00fchrender.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht in den Gottesdienst, aber in die Kirche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es in der Corona-Zeit weniger Gottesdienstbesucher gab \u2013 die Kirche als Ort wurde weiterhin oft aufgesucht. Das sp\u00fcren alle befragten Pfarreien. Adrian Wicki erw\u00e4hnt, dass die Kirche Ruswil stark frequentiert wird und viel mehr Kerzen angez\u00fcndet werden. Im Seelsorgeteam tr\u00e4gt man diesem Bed\u00fcrfnis nach individuellen Kirchenbesuch Rechnung: \u00abWir versuchen, die Kirche so einzurichten, dass jederzeit eine gute Atmosph\u00e4re vorherrscht, wenn man sie untertags besucht.\u00bb So wolle man R\u00e4ume schaffen, die jeder und jede besuchen kann zum Energie tanken oder Ruhe geniessen. Oder wie es Gregor Illi formuliert: \u00abdie Kirche soll f\u00fcr die Menschen wie eine Stube sein.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spannungen in der Gesellschaft aushalten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die grossen Spannungen in der Gesellschaft, ausgel\u00f6st durch Massnahmen und die Impffrage, trafen auch die Kirche. Gregor Illi sagt, er habe versucht, mit diesen Spannungen umzugehen, Ansichten nicht zu werten, sondern die Gesellschaft zusammenzuhalten. \u00abWir haben uns immer gefragt: Wie k\u00f6nnen wir alle Meinungen ber\u00fccksichtigen und allen, die wollen, den Gottesdienst-Besuch erm\u00f6glichen?\u00bb Auch Adrian Wicki musste sich Kritik anh\u00f6ren, vor allem betreffend Zertifikatspflicht. Die H\u00e4lfte der Gottesdienst-Angebote hielt man bewusst ohne Zertifikatspflicht und somit f\u00fcr alle zug\u00e4nglich. Die Beurteilung der Massnahmen sei nicht Sache der Kirche, diese h\u00e4tte sich m\u00f6glichst gut damit arrangieren m\u00fcssen, so Adrian Wicki. Trotzdem habe es ein paar Kirchenaustritte gegeben, begr\u00fcndet damit, dass sich die Kirche gegen die Massnahmen h\u00e4tte wehren sollen. Kurt Zemp erkl\u00e4rt, dass die mit der Pandemie verbundenen Einschr\u00e4nkungen zu mehr Eins\u00e4tzen in der pers\u00f6nlichen Seelsorge gef\u00fchrt h\u00e4tten. So gab es wegen Homeoffice vermehrt Spannungen und Streit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"894\" height=\"684\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/weihwasser.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-255\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/weihwasser.png 894w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/weihwasser-300x230.png 300w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/weihwasser-768x588.png 768w\" sizes=\"(max-width: 894px) 100vw, 894px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hygienevorschriften in der Kirche: ein Weihwasserspender ersetzt die offenen Gef\u00e4sse.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Planung kaum m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf pers\u00f6nlich schwierige Momente angesprochen erw\u00e4hnt Gregor Illi den Umgang mit betagten Personen: \u00abDie Isolation der \u00e4lteren Personen war ja gut gemeint, um sie zu sch\u00fctzen. Trotzdem war es auch sehr schwierig, wenn diese im Altersheim keinen Besuch mehr empfangen durften. Das tat mir schon weh und war auch f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen sehr schwierig.\u00bb Adrian Wicki erw\u00e4hnt die aufwendige Organisation bei der Umsetzung der Massnahmen: \u00abIm Lockdown war es fast am einfachsten. Aber nachher, mit Maximalzahl von 50, Maskentragepflicht, Zertifikatskontrolle war die n\u00e4chste Woche kaum mehr planbar. Kurt Zemp war an Weihnachten 2020 selbst von Corona betroffen und musste nach aufwendiger Vorbereitung bei anderen Pfarreien um Aushilfe f\u00fcr den Weihnachtsgottesdienst anfragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kirche wurde eher gest\u00e4rkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile scheint die Pandemie mit ihren Einschr\u00e4nkungen auch in der Kirche weit weg. Doch die Krise hat ihre Spuren hinterlassen. Einige davon sind durchaus positiv und werden die Kirchen in die Zukunft mitnehmen. \u00abDie Identit\u00e4t der Kirche wurde gest\u00e4rkt. Die Grenzerfahrung der Gesellschaft hat vielen gezeigt, dass es die Kirche braucht\u00bb, h\u00e4lt Kurt Zemp fest. Ein Selbstl\u00e4ufer mit grossem Zuwachs wird die Kirche deshalb nicht. Die Kirche m\u00fcsse noch mehr in die Beziehungspflege investieren, sagt Adrian Wicki. Und erkl\u00e4rt: \u00abKirche ist viel mehr als Sonntagsgottesdienst. Wir m\u00fcssen neue M\u00f6glichkeiten schaffen, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Da muss die Kirche noch innovativer werden. Sie soll den Leuten nicht sagen, was oder wie sie glauben m\u00fcssen. Aber sie soll sie unterst\u00fctzen beim Suchen ihres pers\u00f6nlichen Weges.\u00bb Denn Glauben im Sinne von Halt und Hoffnung finden sei nach wie vor sehr gefragt, das zeige auch die aktuelle Ukraine-Krise. Auch Gregor Illi sieht die Krise als Chance. Zwar habe die \u00abInstitution Kirche\u00bb noch viele ungel\u00f6ste Probleme. Doch das sei eine einseitige Wahrnehmung von Kirche: \u00abDie Kirche als Beziehungsnetz hat in der Krise ihre Bedeutung gezeigt und geht eher gest\u00e4rkt in die Zukunft.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Eine bleibende Ver\u00e4nderung zeigt Adrian Wicki zum Schluss auf: \u00abDie Zertifikatskontrolle haben wir nicht als Kontrolle, sondern als Empfangsdienst gestaltet und es auch so genannt. Es war f\u00fcr alle eine gute Erfahrung, die Kirchg\u00e4ngerinnen und \u2013 g\u00e4nger am Eingang willkommen zu heissen, wir k\u00f6nnen uns eine Fortsetzung vorstellen. Und ich habe so auch einige neue Namen gelernt&#8230;\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maske, abgesperrte Bankreihen und Eingangskontrolle &#8211; Corona hat den Kirchenbesuch stark beeinflusst. Die Pfarreien reagierten kreativ auf die Einschr\u00e4nkungen, mit Online-Gottesdienst oder Freiluft-Anl\u00e4ssen. Nach der Pandemie zeigt sich: viele Ver\u00e4nderungen werden die Kirche nachhaltig pr\u00e4gen. 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