{"id":286,"date":"2023-01-24T07:41:48","date_gmt":"2023-01-24T07:41:48","guid":{"rendered":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=286"},"modified":"2023-07-17T12:26:48","modified_gmt":"2023-07-17T12:26:48","slug":"sein-einsatz-kann-leben-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=286","title":{"rendered":"<strong>Sein Einsatz kann Leben retten<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ert\u00f6nt der Alarm auf seinem Natel, weiss Erwin Arnet, dass in der N\u00e4he ein Mensch in Not ist. Als First Responder ist er vor Ort, bevor die Rettungskr\u00e4fte eintreffen. Und hilft dabei oft auch den Angeh\u00f6rigen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erleidet ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand, z\u00e4hlt jede Sekunde. Die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung sinkt laut Statistiken jede Minute um 10 Prozent. Rettungsorganisati-onen haben darum das System der \u00abFirst Responder\u00bb (Erstantwortende) aufgebaut. Das sind ehrenamtliche Personen, die sich in der N\u00e4he eines Einsatzortes befinden und bis zum Eintreffen der Rettungskr\u00e4fte erste Hilfe leisten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1700\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-289\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-scaled.jpg 1700w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-199x300.jpg 199w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-680x1024.jpg 680w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-768x1156.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-1020x1536.jpg 1020w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-1360x2048.jpg 1360w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-1200x1807.jpg 1200w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/DSC_0896-edited-1980x2981.jpg 1980w\" sizes=\"(max-width: 1700px) 100vw, 1700px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Der Buttisholzer Erwin Arnet ist seit 2019 als ausgebildeter Laienretter im Einsatz. <\/strong>Foto Stefan Schmid<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Erwin Arnet aus Buttisholz ist ein solcher Ersthelfer. Seit 2019 stellt er sich in den Dienst der First Responder Zentralschweiz. Drei Mal ist er bisher zu einem Einsatz ausger\u00fcckt. Eine Wiederbelebung brauchte es bei keinem der Eins\u00e4tze. Trotzdem erlebte er belastende Situationen. Was reizt den 56-J\u00e4hrigen daran, jederzeit auf Abruf zu sein, Notsituationen anzutreffen und dabei keinen Rappen zu verdienen? \u00abIch sehe es als Dienst an der Gesellschaft. Die soziale Ader habe ich in mir drin. Ich bin jemand, der gerne hilft.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p><strong>\u00abEtwa nach 5 Minuten ohne Sauerstoff entstehen erste Sch\u00e4digungen am Hirn. Ist jemand rasch vor Ort, kann das sehr viel bringen.\u00bb<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und das Thema Sanit\u00e4t habe ihn schon immer interessiert, sagt Arnet. So absolvierte er seinen Milit\u00e4rdienst als Sanit\u00e4ter. 25 Jahre war er Mitglied der Feuerwehr Buttisholz und lernte, in schwierigen Situationen richtig zu handeln. Und als vor drei Jahren das First Responder-Projekt gestartet wurde, meldete sich Erwin Arnet f\u00fcr eine Infoveranstaltung an und frischte seinen Reanimationskurs wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erster Einsatz bei einem Kleinkind<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An seinen ersten Einsatz erinnert er sich noch gut. An einem Montag kurz nach dem Mittag ging der Alarm ein, Erwin Arnet fuhr so rasch wie m\u00f6glich zum Einsatzort. Ein etwa 3-j\u00e4hriges Kleinkind lag scheinbar leblos auf dem Sofa. \u00abIch habe rasch \u00fcberlegt, was zu tun ist und wie ich das Kind f\u00fcr die Herzmassage auf eine feste Unterlage betten muss\u00bb. Als er sich dem Kind n\u00e4herte, stellte er erleichtert fest, dass es noch ganz oberfl\u00e4chlich atmete. Eine Beatmung war nicht notwendig. Gleichzeitig war die Situation f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen sehr herausfordernd. Erwin Arnet half mit, die weinende Mutter und die Geschwister des betroffenen Kindes zu beruhigen. \u00abDer Vater des Kindes war \u00fcbers Telefon mit der Notrufzentrale verbunden\u00bb, erinnert sich Erwin Arnet. Man habe ihnen immer mitgeteilt, wie nahe der Rettungswagen schon war, das sei eine wichtige Orientierung gewesen. Der Rettungsdienst war bald vor Ort und habe \u00fcbernommen. \u00abAls das Kleinkind zu Weinen anfing, war dies das erleichterndste Weinen, das ich je geh\u00f6rt habe\u00bb, sagt Erwin Arnet. Mit dem Eintreffen der Rettungskr\u00e4fte ist der Einsatz f\u00fcr den First Responder zu Ende. Er erh\u00e4lt keine weiteren Informationen, wie es dem Patienten nachher ergeht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Dorf kennt man sich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nne gut sein, dass man die betroffenen Personen kenne, sagt Erwin Arnet. Gerade wenn man in der Gemeinde aufgewachsen und verwurzelt sei. Er leitet seit vielen Jahren den Gemeindewerkdienst, war lange im Jodlerklub und hat in Buttisholz ein breites Beziehungsnetz. \u00abBei einem Alarm sieht man jeweils die Adresse des Notrufs. So wusste ich bei einem Einsatz, dass ich die Familie kenne und fragte mich auf der Fahrt im Auto, wer wohl der Patient sei.\u00bb Unterwegs habe er noch einen Defibrillator geholt, der aber gl\u00fccklicherweise nicht zum Einsatz kam. Die Person im Pensionsalter atmete wieder und war ansprechbar. Auch da war die Anwesenheit von Arnet f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen eine Beruhigung. \u00abIch musste nur beobachten und gut zureden.\u00bb Die Aufgabe der First Responder beschr\u00e4nke sich denn auch klar auf Wiederbelebungsmassnahmen, so Arnet. \u00abWir verabreichen keine Medikamente oder \u00e4hnliches\u00bb. Das \u00fcbernehme dann der Rettungsdienst. Die Angeh\u00f6rigen h\u00e4tten sich aber nachher nochmals bei ihm gemeldet und sich bedankt, das sei eine sch\u00f6ne Anerkennung: \u00abMehr brauche ich nicht\u00bb. Die Eins\u00e4tze sind ehrenamtlich und werden nicht abgegolten. Auch den notwendigen Kurs, der alle zwei Jahre wieder aufgefrischt werden muss, zahlen die Freiwilligen selber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Umgang mit Trauer und Tod<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht immer enden Eins\u00e4tze glimpflich. Erwin Arnet erinnert sich: \u00abEin Alarm kam um drei Uhr in der Nacht. Meine Frau weckte mich, da das Natel mit einem speziellen Ton klingelte.\u00bb Als er eintraf, waren bereits zwei andere First Responder da. \u00abWir konnten aber nichts mehr machen. Die betroffene Person war bereits verstorben.\u00bb Nach kurzer Zeit und Besprechung mit dem Rettungsdienst konnte er wieder nach Hause. Wie stark besch\u00e4ftigen ihn diese Situationen? Er k\u00f6nne gut damit umgehen, so Arnet. In seiner Aufgabe bei der Gemeinde ist er auch Friedhofswart und so oft mit den Themen Tod und Trauer konfrontiert. \u00abDer Tod geh\u00f6rt zum Leben. Bei einer Beerdigung sehe ich es als ehrenvolle Aufgabe, wenn ich den Angeh\u00f6rigen noch etwas mitgeben kann.\u00bb Trotzdem, wenn er Gespr\u00e4chsbedarf habe, tausche er sich mit seinen Berufskollegen aus. Auch k\u00f6nnte er sich als First Responder an ein Care Team wenden, das ihn bei der Bew\u00e4ltigung unterst\u00fctzt. Bedarf daf\u00fcr hatte er bisher nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Keine Angst vor Fehlern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz schwierigen Situationen, Erwin Arnet w\u00fcrde jedem und jeder empfehlen, sich das Wissen eines First Responders anzueignen. Es sei wie bei einem Nothelferkurs: Lieber wisse man Bescheid, brauche das Wissen aber nicht, als umgekehrt. Zudem k\u00f6nne ein Herz-Kreislaufstillstand jeden betreffen, so Arnet: \u00abDie Chance ist gross, dass auch mal etwas in der Familie oder im nahen Umfeld passiert.\u00bb Das k\u00f6nne auch eine Erstickungsgefahr sein. Dann sei man froh, wenn man wisse, wie in einem Notfall zu Handeln sei. Er k\u00f6nne auch unter hohem Stress klar strukturiert denken, sagt Arnet \u00fcber sich. Eine F\u00e4higkeit, um die er froh ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst vor Fehlern hat er keine: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p><strong>\u00abDas Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu machen.\u00bb<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8222;Ein Patient hat immer bessere Chancen, wenn man etwas macht.\u00bb Man h\u00f6re ab und zu, dass man einem Patienten die Rippen brechen k\u00f6nne bei einer Druckmassage. Das k\u00f6nne vielleicht mal vorkommen. Doch auch dann seien die \u00dcberlebenschancen des Betroffenen h\u00f6her als wenn man nur zuschaue.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abschalten beim Wandern quer durch die Schweiz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>St\u00f6rt es ihn nicht, dauernd in Alarmbereitschaft zu sein? \u00abOft bin ich ja sowieso unterwegs in meinem Beruf. Dann stehe ich halt auch mal in \u00dcberhosen bei einem Einsatzort.\u00bb Gerade die N\u00e4he zum Geschehen sei ja zentral bei diesem System. Arnet weiss: Etwa nach 5 Minuten ohne Sauerstoff entstehen erste Sch\u00e4digungen am Hirn. Ist jemand rasch vor Ort und bringt das Blut wieder in Schwung, kann das sehr viel bringen. Zudem sei niemand verpflichtet, einen Alarm anzunehmen. Er sagt: \u00abIst man unterwegs oder hat schon Alkohol getrunken, nimmt man den Notruf einfach nicht entgegen.\u00bb Man k\u00f6nne das Telefon auch einfach ausschalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das macht der Buttisholzer, wenn er auf einem seiner Wanderprojekte unterwegs ist. Und zum Beispiel mit einem Kollegen in Etappen rund um den Vierwaldst\u00e4ttersee marschiert oder quer durch die Schweiz wandert vom Genfersee an den Bodensee. Steht dann noch ein kaltes Pl\u00e4ttli und ein Glas Weisswein vor ihm, kann auch er bestens abschalten und die Natur geniessen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-subtle-background-background-color has-background\"><strong>Ausgebildete Laienhelfer vor Ort<\/strong><br><br>Seit Juli 2019 gibt es das Projekt First Responder in der Zentralschweiz. Aufgebaut hat es das Luzerner Kantonsspital LUKS mit Unterst\u00fctzung des Gesundheits- und Sozialdepartements. K\u00fcrzlich wurde die Zahl von 2000 Freiwilligen erreicht. Eine Vielzahl Mitwirkender ist entscheidend, denn: von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergehen laut LUKS durchschnittlich 10 bis 12 Minuten. Mit medizinisch ausgebildeten Laienhelfern, die noch vor den professionellen Rettern vor Ort sind, soll die \u00dcberlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand erh\u00f6ht werden und rasch lebensrettende Massnahmen eingeleitet werden.<br><br>Geht bei der Sanit\u00e4tsnotrufzentrale Zentralschweiz ein entsprechender Alarm ein, bietet sie den Rettungsdienst auf und schickt an alle First Responder in der Gemeinde eine Meldung. Das System l\u00e4uft \u00fcber eine spezielle App. Sie zeigt in einem Notfall lediglich die Adresse des Einsatzortes. Weitere Informationen zur betroffenen Person oder zum medizinischen Problem erh\u00e4lt der Ehrenamtliche nicht. Er entscheidet, ob er den Alarm annimmt und sich dann so rasch wie m\u00f6glich zum Patienten begibt.<br><br>F\u00fcr welche Gemeinden man alarmiert werden will, bestimmt der First Responder selber. 2021 wurden 256 Eins\u00e4tze von First Respondern geleistet. Das LUKS schreibt in einer Mitteilung, dass rund 15 Prozent der Patientinnen und Patienten ihr \u00dcberleben dem First Responder \u2013 Netzwerk verdanken.<br><br>Weitere Freiwillige werden gesucht, die sich als First Responder zur Verf\u00fcgung stellen. Daf\u00fcr braucht es eine zertifizierte Ersthelfer-Ausbildung bei Herz-Kreislaufstillstand und den Besuch einer Informationsveranstaltung. Weitere Informationen findet man unter www.firstresponderzentralschweiz.ch.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ert\u00f6nt der Alarm auf seinem Natel, weiss Erwin Arnet, dass in der N\u00e4he ein Mensch in Not ist. Als First Responder ist er vor Ort, bevor die Rettungskr\u00e4fte eintreffen. Und hilft dabei oft auch den Angeh\u00f6rigen. Erleidet ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand, z\u00e4hlt jede Sekunde. 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