{"id":474,"date":"2023-12-01T14:16:56","date_gmt":"2023-12-01T14:16:56","guid":{"rendered":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=474"},"modified":"2023-11-24T14:18:51","modified_gmt":"2023-11-24T14:18:51","slug":"wenn-der-computer-zum-jasspartner-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanschmid.org\/?p=474","title":{"rendered":"Wenn der Computer zum Jasspartner wird"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\" style=\"font-style:normal;font-weight:600\"><strong>Serie digiROTtal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Smartphones und Computer halten auch in Altersheimen zunehmend Einzug. Die Ger\u00e4te dienen den Bewohnenden nicht nur zur Unterhaltung, sondern sind auch eine Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Pflegepersonal. Ein Ersatz f\u00fcr menschliche Kontakte soll die Technik aber nicht werden, wie ein Einblick in der Pflegewohngruppe Primavera in Buttisholz zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittagszeit in der Pflegewohngruppe Primavera in Buttisholz, das Essen wird abger\u00e4umt. Noch rund ein Dutzend Seniorinnen und Senioren sitzen an ihren Tischen, einzelne trinken Kaffee. Einige f\u00fchren leise Gespr\u00e4che, jemand lacht. Was auff\u00e4llt: anders als sonst in einem Restaurant liegt nirgends ein Smartphone auf dem Tisch. Ein Zufall? Nein, sagt Betriebsleiterin Laura Moitzi, das Ger\u00e4t halte erst langsam Einzug im Primavera. Von den 22 Bewohnerinnen und Bewohnern sind vier mit digitaler Technik vertraut. Ein eher tiefer Wert gem\u00e4ss einer Studie (siehe Interview Pro Senectute), Moitzi f\u00fchrt das auf das hohe Alter zur\u00fcck: Wer in die Pflegewohngruppe eintritt, ist im Durchschnitt 88 Jahre alt. Und je \u00e4lter, um so schwieriger sei es, kognitiv noch ein technisches Ger\u00e4t zu bedienen, sagt Moitzi. Trotzdem glaubt sie, der Anteil digitaler Seniorinnen und Senioren werde in Zukunft noch steigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-477\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-300x225.jpg 300w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-768x576.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_2-2000x1500.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Betriebsleiterin Laura Moitzi (links) beim Rapport mit dem Pflegepersonal im Primavera Buttisholz.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Alters- und Pflegeheime wie das Primavera bedeutet dies auch neue Bed\u00fcrfnisse und M\u00f6glichkeiten. Im Haus hat man deshalb schon verschiedenste Investitionen in die Digitalisierung get\u00e4tigt. Dazu geh\u00f6rt ein \u00f6ffentliches WLAN, das Bewohner kostenlos f\u00fcr den Internetzugang nutzen k\u00f6nnen. Da auch das Notruf-System \u00fcber das Netzwerk l\u00e4uft, hat man zus\u00e4tzliche Funksender eingebaut und das betriebliche WLAN vom G\u00e4ste-Zugang getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Standort-\u00dcberwachung nur in Absprache mit Angeh\u00f6rigen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Pflege hat die Digitalisierung viel ver\u00e4ndert. Schon seit langem erfolgt die Pflegedokumentation nicht mehr auf Papier, sondern elektronisch. Weiter sind Notfall-Uhren und Matten, die St\u00fcrze messen, im Einsatz. Und f\u00fcr die Aktivierung nutzt das Pflegepersonal auch Tablets mit Spielen. Die meisten Mitarbeitenden seien offen f\u00fcr solche Hilfsmittel, sagt Laura Moitzi, gerade j\u00fcngere seien als \u00abDigital Natives\u00bb damit sehr vertraut. Sie mahnt jedoch auch, dass der Datenschutz und der Umgang mit sensiblen Informationen wichtig sei.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"779\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-476 size-full\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_1.jpg 584w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/moitzi_1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00abDer menschliche Kontakt kann nicht durch eine Maschine ersetzt werden.\u00bb <\/p>\n<cite>Laura Moitzi, Betriebsleiterin Primavera Buttisholz<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt etwa die \u00dcberwachung der Bewohnerinnen und Bewohner &#8211; ein heikles Thema. Verlassen sie das Haus, k\u00f6nnen sie einen kleinen Sender mit sich tragen, der dem Pflegepersonal auf der Google Maps-Karte jederzeit den Aufenthaltsort zeigt. Diese Kontrolle passiere jedoch immer in Absprache mit den Bewohnern und deren Angeh\u00f6rigen. Es m\u00fcsse dabei stets abgewogen werden zwischen Freiheit, Selbstbestimmung und m\u00f6glicher Gefahren, sagt Laura Moitzi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seniorinnen nutzen Computer zum Spielen und Googeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu den digital fitten Seniorinnen im Heim geh\u00f6rt Annelies Suppiger. Die 84-J\u00e4hrige ist Anfang Jahr ins Primavera gezogen. Ein Natel liegt auf der Kommode, doch telefoniere sie meist per Festnetz. H\u00e4ufiger im Einsatz ist ihr Tablet-Computer, den sie seit dem Besuch eines Migros-Computerkurses besitzt. Sie nutze das Tablet t\u00e4glich, sagt sie, zum Beispiel zum eMail schreiben oder zum Nachrichten lesen. Videos schaue sie \u00fcber die SRF Play-App oder auf Youtube. Sie zeigt Fotos, die sie erhalten hat und sagt fr\u00f6hlich, sie fotografiere mit dem Tablet ihre Mitbewohnerinnen oder einen sch\u00f6nen Blumenstrauss, den sie bekomme. So blieben die Erinnerungen pr\u00e4sent. Zudem bastle sie gerne und suche manchmal auf Google nach Ideen. Und schliesslich jasse sie auch gerne, am liebsten nat\u00fcrlich mit Mitbewohnenden, gerne aber auch mal gegen den Computer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-478\" srcset=\"https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-300x225.jpg 300w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-768x576.jpg 768w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/stefanschmid.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/primavera_hauptbild-2000x1500.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Annelies Suppiger (84) jasst gerne &#8211; auf dem Tablet gegen den Computer oder am Tisch mit den Mitbewohnenden. <\/strong>Fotos Stefan Schmid<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gejasst wird auch ein paar Zimmer weiter, wo Anna K\u00fcttel an einem kleinen Pult am aufgeklapptem Laptop sitzt. \u00abEin Schieber\u00bb, sagt sie. \u00abDoch der Computer ist ein starker Gegner\u00bb. Die 88-J\u00e4hrige, die erst seit wenigen Wochen im Heim wohnt, nutzt den Computer meist f\u00fcr Spiele oder zum Radio h\u00f6ren. Auch den grossen Fernseher daneben braucht sie \u2013 sogar in Kombination mit dem Laptop. Das Programm f\u00fcr einen katholischen Sender, der keinen Teletext hat, schaut sie zuerst auf dem Laptop nach, bevor sie den Fernseher einschaltet. Schwerer tut sie sich momentan mit dem Schreiben von eMails, die Arthrose mache ihr Schmerzen. Anna K\u00fcttel begann sich erst im Alter von 80 Jahren f\u00fcr Computer zu interessieren: \u00abAlle haben davon gesprochen, da wollte ich es auch noch lernen\u00bb. Sogar \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz habe sie soeben gelesen, sagt sie und zeigt auf eine Ausgabe der Schweizer Familie. \u00abDoch ich bin entt\u00e4uscht davon\u00bb, meint sie schmunzelnd. \u00abIch habe gedacht, k\u00fcnstliche Intelligenz sei ein Wunderwerk\u00bb. Doch die Maschine k\u00f6nne ja nur verbessern, was der Mensch mache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Maschine ersetzt den Menschen nicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema der k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) besch\u00e4ftigt, mittlerweile sind Anwendungen davon im Alltag angekommen. Heimleiterin Laura Moitzi kann sich vorstellen, KI in der Pflege zu nutzen. Sie erw\u00e4hnt das Programm \u00abChat GPT\u00bb oder \u00dcbersetzungsdienste, die Pflegepersonal mit ungen\u00fcgenden Deutschkenntnisse unterst\u00fctzen k\u00f6nnten. Auch dass dereinst Roboter gewisse Aufgaben \u00fcbernehmen, k\u00f6nne sie sich grunds\u00e4tzlich vorstellen. Doch sie sagt auch warnend, Technik k\u00f6nne heute zwar sehr viel, doch d\u00fcrfe der Mensch dabei nicht vergessen gehen: \u00abDer menschliche Kontakt kann nicht durch eine Maschine ersetzt werden.\u00bb Ger\u00e4te k\u00f6nnten zwar vieles messen, doch oft sehe nur ein geschultes Auge, ob es einer Person wirklich gut gehe. Im besten Fall k\u00f6nne die Technik das Pflegepersonal entlasten, damit dieses wieder mehr Zeit f\u00fcr die zwischenmenschlichen Kontakte habe. Sie glaubt deshalb nicht, dass das Pflegepersonal irgendwann nur noch hinter dem Computer sitzt: \u00abSoziale Kontakte werden immer wichtig und unersetzbar bleiben. Die Kernkompetenz unseres Pflegepersonals ist die Arbeit mit Menschen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serie digiROTtal Smartphones und Computer halten auch in Altersheimen zunehmend Einzug. Die Ger\u00e4te dienen den Bewohnenden nicht nur zur Unterhaltung, sondern sind auch eine Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Pflegepersonal. Ein Ersatz f\u00fcr menschliche Kontakte soll die Technik aber nicht werden, wie ein Einblick in der Pflegewohngruppe Primavera in Buttisholz zeigt. 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